franz reimer // media artist


media works
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MIND AND MATTER
pt. I-III

franz reimer / multi-media installation / 2011
































„Das Leben inmitten visueller Medien ist beherrscht von einem permanenten Druck fehlende Bildlichkeit zu kompensieren, nichtvisuelle Praktiken und Prozesse zu visualisieren.
Dies ist das Regime der Sichtbarkeit.“


Camiel van Winkel, European Photography, Nr. 89, Seite 65





















































































MIND AND MATTER pt. I

scale-Model of Osama Bin Ladens compound in Abbottabad, Pakistan, reconstructed from different computer-animations shown in various news shows in tv (cnn, abc, ard, zdf, wsbtv.com)


self-rotating three dimensional model, PVC laminated with a golden foil, 25 x 11,5 x 3,5 cm, scale unknown














































































MIND AND MATTER pt. II

assemblage of various computer-animated visualizations of the raid on Osama Bin Laden on his compound in Abbottabad, Pakistan, recorded from various news shows in tv (cnn, abc, ard, zdf, wsbtv.com)


found footage, DV PAL, ca. 20 min.
































































































MIND AND MATTER pt. III

transmitted light projection trough a self-rotating scale-model of Osama Bin Ladens compound in Abbottabad, Pakistan, reconstructed from different computer-animations as shown in various news shows in tv (cnn, abc, ard, zdf, wsbtv.com)


scale-model of PVC laminated with a semipermeable reflecting foil, 38 x 17 x 5 cm, scale unknown





























































































































































MIND AND MATTER thematisiert das Ausweichverhalten einer Medienwelt, der im Wissen um ein Geschehen seine Bildlichkeit verweigert wird. Die Tötung von Osama Bin Laden durch eine US-Spezialeinheit war eine Nachricht, zu der es kein Bild gab, mit dem sie medial vermittelbar gewesen wäre. Die US-Regierung behielt die totale Kontrolle über ihre Bilder mit der Behauptung, die Öffentlichkeit vor der Sichtbarkeit der Tötungs-Aktion, der sichtbaren Grausamkeit auf den Bilder beschützen zu wollen. Um die fehlende Bildlichkeit zu kompensieren, griffen die Medien auf eine Methode der Visualisierung zurück, mit der sie sich auf ein neues Feld der Abstraktion des Sozialen begeben haben: der Computerspiel-Ästhetik. Die Welt wird Modell, abstrakt und anschaulich, objektiv und beliebig zugleich.

Die Fiktion der Welten in Computerspielen korreliert mit der Fiktionalität dieser Berichterstattung. Nur schwer lässt sich kaschieren, dass die Medien selbst nichts über den Tathergang sagen konnten. Die Computeranimation wird zur Seh-Prothese, einem Modell-Auge. Die Leerstellen der fehlenden Bildlichkeit wie auch der lückenhaften Informationen werden durch scheinbar objektive, vor allem aber kalte Simulationen gefüllt. Diese Ausweichhandlung hat einen politischen Vorzug. Die Nachricht wird vermittelt, der auf realitätsnahe Darstellung konditionierten Öffentlichkeit werden jedoch Gefühle wie Schmerz, Schuld und Scham, die die Ansichtigkeit des Tötens erzeugen könnten, bewußt verweigert. Nach dem Verlust des mitfühlenden Auges kann die Öffentlichkeit auf die kalt vermittelte Nachricht nur noch mit einem Phantom-Schmerz reagieren.

Dieser Mangel des Modell-Auges lässt sich vor allem in der Differenz zum Umgang mit den Bildikonen des letzten Jahrzehnts erkennen, die anlässlich des zehnten Jahrestags des 11. September wieder einmal in Endlos-Schleife vorgeführt wurden. Die Kommandoaktion zur Tötung Bin Ladens, die im Bild-Gedächtnis der Medien weder live noch in realen Bildern, sondern nur als Modell-Bild stattgefunden hat, wird ihre Präsenz im Gedächtnis der Öffentlichkeit mitsamt ihren moralischen und völkerrechtlichen Problemen schnell wieder verlieren.

Die seit dem ersten Irak-Krieg politisch gelenkte Kriegsberichterstattung, die sich immer stärker durch ihre Ähnlichkeit zur Computerspiel-Ästhetik auszeichnet, setzt im Fall der Tötung Bin Ladens endgültig eine neue Form der Abstraktion durch: die Welt nimmt sich selbst als Modell wahr. Mit ihren Simulationen spielen die Medien vor allem der politischen Kontrolle über die Bildlichkeit in die Hände, denn die US-Regierung beschützt dadurch nicht die Öffentlichkeit, sondern zuerst sich selbst.






















„Ich besitze die Welt umso besser,
je geschickter ich sie zur Miniatur mache.“


Gaston Bachelard: Poetik des Raumes,
Frankfurt a. M., Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2003, S. 157


































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